Nicht Hunde, sondern Menschen erziehen!

Sehr geehrter Herr de Souza,

es ist jetzt 3 Monate her, seit wir Düsseldorf verlassen haben und mit unserem damals sechs Monate alter Schäferhundmix Kurt und unserer 7- jährigen Lotte nach Bayern gezogen sind.

Sie werden sich sicherlich erinnern: Kurt war so ein junger Wilder mit gutem Charakter und schlechten Manieren aus der Tierhilfe.

Nun hatten wir nicht viel Zeit mit Ihnen, da Kurt erst kurz vor dem Umzug zu uns kam und wir uns an Sie mit der Bitte wandten, uns in drei Wochen zu erklären, wie wir mit unserem ersten Rüden umzugehen haben.

Ich schreibe Ihnen nun diesen Brief um Ihnen mit genügend zeitlichem Abstand zu sagen: es ist Ihnen geglückt!

Ich denke ausschlaggebend war Ihre Grundherangehensweise, nämlich – wie Sie immer betonten – nicht Hunde, sondern Menschen zu erziehen!

Uns ist insbesondere aufgrund Ihres Vorbildverhaltens schnell klar geworden: es ist egal um welchen Befehl es geht, welches Verhalten wir wünschen, wichtig ist allein, dass unsere Hunde uns als Rudelführer akzeptieren. Und ob sie das tun, liegt nur in unserer Hand.

Ich bin immer noch nachhaltig beeindruckt über die Szenen, die sich bei uns in der Küche abgespielt haben. Wie Sie schweigend nur durch Ihre Körperhaltung unserer Lotte innerhalb von drei Minuten klar gemacht haben, dass sie ihr nervöses Knurren zu beenden hat (uns in den letzten sechs Jahren nicht gelungen!). Wie Sie mit einem Zschiss-Laut Kurt erklärt haben, dass er Sie nicht anzuspringen hat und er es auch tatsächlich verstanden hat.

Ihr oberstes Gebot: der Rudelführer hat für Entspannung im Rudel zu sorgen, folgerichtig Hektik und Nervosität zu unterbinden, hat unsere Sicht auf unser Rudel komplett verändert. Das Tolle daran: es ist auch einfach an Dritte, die mit unseren Hunden konfrontiert sind (zum Beispiel unsere Haushaltshilfe) zu vermitteln (was nicht bedeuten soll, dass die Umsetzung dann leicht fällt, aber das Ziel ist klar!).

Auch Ihre Hilfen beim „Übersetzen“ der Hundesprache, Ihre Tipps zum Beispiel, dass Hunde Anspannung nicht lange anhalten können und dass Zischlaute durch ihren fehlenden emotionalen Ausdruck bei Korrekturen besser sind als Worte, sind in unser Verhaltensrepertoire eingegangen.

Kurt, unser wilder Rüde, entwickelt sich super. Er hat zwar immer noch viele gute Ideen, die uns manchmal zur Verzweiflung bringen, jedoch haben wir ihn gut unter Kontrolle. Er läuft tadellos an der Leine, hat inzwischen gelernt Personen nicht mehr anzuspringen, er lässt sich gut korrigieren, wenn es um Bellen sowie Außenkontakte mit Menschen, Fahrrädern, Kühen, Artgenossen und anderes geht.

Lotte hat inzwischen akzeptiert, dass wir ihr Rumgezicke nicht wünschen und ist merklich entspannter.

Wir sind sehr zufrieden. Die Erziehung der Menschen ist Ihnen in unserem Fall gut gelungen. Dass Sie uns dazu gebracht haben unsere Einstellung zu unseren Tieren zu verändern, macht es einfacher in konkreten Fällen Lösungen zu finden.

Ich möchte zum Ende noch einen Punkt erwähnen, weil er für mich so eine große Vorbildwirkung hatte: Sie waren konsequent, aber Sie hatten immer auch das Wesen und den Charakter unserer Hunde im Blick. Es war ein liebevoller Umgang, mit viel Begegnung und Bindung. Mir wurde so klar: die Führung zu übernehmen hat nichts mit Kämpfen, sich Durchsetzen und somit Anstrengung zu tun hat. Es hat was mit Verständnis, Liebe, Geduld, ganz viel Gelassenheit und der richtigen Einstellung zu tun.

Ein Rudelführer muss nicht laut brüllen können, vielmehr hat er eine Führungspersönlichkeit auszustrahlen. Er muss eine Respektperson für den Hund sein, der auch den Hund in seinem Wesen respektiert. Seine Führerschaft hat man nicht durchzusetzen. Sie wird einen gegeben durch den Hund, weil der Hund überzeugt ist, dass man es kann und gut macht. Und damit muss er (der Hund) diesen Job nicht machen und ist froh einem zu folgen.

Ganz einfach, ganz logisch und sehr wirkungsvoll.

Nochmals Dank

Ihre Judith von Rohr

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One Response to "Nicht Hunde, sondern Menschen erziehen!"
  1. Lieber Herr de Souza,
    lange bevor ich ihre Hilfe in Anspruch genommen habe, sind sie mir aufgefallen, weil sie mit ihren Hunden, die sie zur Erziehung hatten, immer schnell eine sehr harmonische Einheit herstellen konnten. Als ich meine Hündin Seyna vom Tierhilfswerk bekam und sie durch ihre Unsicherheit immer mehr Fehlverhalten an den Tag legte, war mir sofort klar, dass ich Sie um Hilfe bitte. Durch ihre ruhige und ausgeglichene Vorgehensweise haben Sie mir meine Ängste genommen und mir vermittelt, dass das Verhalten von Seyna auf meine Unsicherheit und Ängste zurückzuführen ist. Sie zeigten mir, wie man einen Hund mit Körpersprache, Gesten und wenig Lauten korrigieren kann. Ich war sehr beeindruckt und dachte, ich schaffe es nie wirklich, meine Körperhaltung so zu verändern, dass ich Seyna Sicherheit gebe. Aber auch da haben Sie mich beruhigt, mich ermuntert und mir vor allem klar gemacht, dass auch Misserfolge sein dürfen. Seyna und ich sind zu einem Team zusammen gewachsen. Auch wenn immer noch nicht alles perfekt ist, so haben wir dank ihnen viel gelernt und ich bin sehr viel selbstsicherer geworden. Schließlich ist Seyna auch erst 2 Jahre alt und wir haben Zeit. Wenn ich das Gefühl habe, nochmal Hilfe zu brauchen, werde ich in jedem Fall Sie um Rat fragen! Haben Sie vielen Dank für alles auch im Namen von Seyna. Herzliche Grüße Birgit Keil

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